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1947 - 1967 Gewalt im Johanna-Helenen-Heim

Nichts hat mich im April 2006 Jahr so sehr schockiert, wie die Erinnerungen einer Frau über ihre Kindheit. Als sie 6 Jahre alt wurde, kam sie auf eine Kinderstation im Johanna-Helenen-Heim der Orthopädischen Heil-, Lehr- und Pflegeanstalten Volmarstein, eine Einrichtung der (damals) Inneren Mission. Mit 7 Jahren musste sie erste, schwere körperliche Arbeiten verrichten. Ihre Schilderungen aus dieser Zeit sind eine Aneinanderreihung von Brutalitäten, Misshandlungen, Schlägen, seelischen Grausamkeiten, eine Bündelung von Verbrechen, für die es keinen passenden Ausdruck gibt. Sie ist durch die Hölle gegangen. Nicht einmal, sondern öfter. An ihr wurden rund um die Uhr Verbrechen verübt. Ihre Geschichte hat tiefe Spuren bei mir hinterlassen. Es ist nicht so, dass ich diese Hölle von Volmarstein nicht kenne. Ich habe auch einige Zeit in ihr verbracht. Schlimm ist, dass ich so wenig von den Leiden anderer Kinder wusste.
Noch heute können viele Menschen über diese Zeit im Volmarstein nicht sprechen. Ein Mann ist bekannt, der nicht einmal mit seiner Frau darüber sprechen kann. Andere verdrängen einfach und betrachten diese Zeit als wenig schlimm oder wollen mit dieser Zeit nichts mehr zu tun haben. Andere finden erst jetzt den Mut, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
Was ist aus den damaligen Kindern geworden? Eines dieser Kinder stürzte sich aus dem Fenster. Ein anderes verschlug es als jungen Mann nach Frankreich in die Fremdenlegion. Ein Dritter kam ins Gefängnis, weil er eine Frau vergewaltigte. Wir wissen wenig über die vielen anderen Kinder aus dieser Zeit.
Die damaligen Kinder sitzen auf einer tickenden Zeitbombe: In 10 bis 15 Jahren kommen sie wieder in ein Heim; vielleicht in ein kirchlich getragenes Heim und vielleicht wieder nach Volmarstein. Dann kommen sie nämlich ins Altersheim und es brechen alte Ängste auf: Schlägt man uns wieder? Lässt man uns tagelang in vollen Windeln liegen? Lässt man uns verdursten? Hat man keine Zeit, uns anzuziehen? Müssen wir wieder um 5 Uhr mittags ins Bett? Vegetieren wir vor uns hin, weil sich niemand mit uns im Alltag beschäftigt? Auch darum, also damit sich diese Kindheit im Alter nicht wiederholt, ist es wichtig, diese Verbrechen unvergessen zu machen und damit zu bezeugen: Wir lassen uns nichts mehr gefallen.
Wer in der Suchmaschine Google die Stichwörter Volmarstein, JHH, Kinderstation eingibt, wird auch diese Seite finden. Wenn Du mich gefunden hast, melde Dich! Wir sind dabei, diese Verbrechen nach dem Krieg bis ca. 1966 aufzuarbeiten. Es gibt immer noch Menschen, die diese Zeit verleugnen, verharmlosen, relativieren und entschuldigen. Andere sind zum direkten Frontalangriff auf einzelne Mitarbeiter in der „Arbeitsgruppe JHH“ übergegangen. Helfe mit, durch Deine Schilderungen, aus Deiner Sicht, dazu beizutragen, dass diese Zeit umfangreich dokumentiert wird. So schlimm sie auch für viele Kinder war, es gab auch lichte, schöne, tröstende, helfende Momente in dieser Zeit. Auch solche Geschichten brauche ich. Wir wollen, dass diese Zeit nicht zwischen Aktendecken verschwindet, sondern dokumentiert wird.

In Volmarstein war nicht das einzige Kinderheim, in dem gequält und gefoltert wurde. Im Laufe meiner Recherchen für eine andere Homepage wurde ich mit vielen Kinder- und Jugendheimen konfrontiert, über die mehr und mehr Opfer berichten. Viele Homepages sind in den vergangenen drei Jahren entstanden, auf denen sich ehemalige Kinder und Jugendliche melden. Auf dieser Privat-Homepage werde ich Links zu interessanten HPs anderer Opfer einrichten. Ein weiterer Schwerpunkt wird es sein, die Aufarbeitungsbemühungen kirchlicher und staatlicher Rechtsnachfolger jener Heime zu dokumentieren, in denen nach dem Krieg bis zum Beginn der 80er Jahre Verbrechen an Kindern und Jugendlichen stattgefunden haben.


Email (ät) helmutjacob.de